Rudel gucken

Sandkastenfreunde
Januar 24th, 2012
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“Wir sind alle Individuen” oder warum anders sein doch nur ganz normal ist. Aus einem einfach etwas aufgedrehten Tag sollte mehr werden und so wäre Oscar Wilde sicher stolz auf uns, dass wir in seinem Gedenken die Abgründe des Miteinander betrachteten und dennoch lebendig aus der Sache raus kamen. Es geht um Mode, um Kultur, um Uns, um Alternativen und auch irgendwie ein bisschen um Freiheit.

Freiheit, das hieß für mich schon immer zu bestimmen, wer ich bin. Ich kann auf die Straße gehen, die löchrige Jeans, ihrer Form nicht gerecht werdend, mit stilistischem Engagement tragen, einen Dreck auf das Leben geben und mich mit den Menschen umgeben, die, ähnlich wie ich es tue, eine eher komplizierte Ansicht zu Begriffen wie “politisch korrekt” und “staatlicher Macht” hegen. Aber an anderen Tagen das Hemd bügeln, die Schuhe putzen und einen Windsor binden. Wichtig ist, ich entscheide, was ich tue. Doch wackelt diese Anschauung. Gibt es noch eine alternative Szene? Gibt es noch freie Entfaltung oder wollen wir anders sein um aufgenommen zu werden.

Aktuell sind es wieder einmal die Tage des Hipster. Ja verdammt, einer muss es doch mal schreiben, auch wenn das Internet sie gerne weg redet. Blicken wir dann doch einmal auf, sehen wir nur noch zu enge Hosen und zu große Brillen. Hipster wurde mir als Modeerscheinung unserer Zeit erklärt, die “einfach an jedem gut aussieht”. Das war das erste Mal, dass ich dieser Subkultur einen Gedanken widmete. Menschen, die eine intellektuelle Randgruppe der Neuzeit bilden wollen und versuchen sich von der Masse abzukapseln. Ob nun durch alternatives Auftreten oder Einstellung mit einem Stil für jedermann. Anders sein um akzeptiert zu werden, alternativ sein um dazu zu gehören, verrückt sein um in die Gruppe aufgenommen zu werden, je hipper, desto besser.

Was ist nur aus der Zeit geworden, als Frauen noch hübsch und Männer noch stilvoll waren. Wo nicht wichtig war, wer dem Stil voran geht, welches politische Statement hinter einem Kleidungsstück oder einer Marke steht und vielleicht am wichtigsten, wo ein Produkt seinen Preis Wert war. Auch die entgegengesetzte Strömung ist kritisch zu betrachten. Markenabsolutismus. Die neuen Größen, Namen wie Abercrombie oder Burberry, die in aller Munde sind, klassisches Design zu Preisen verkaufen, die der Qualität der Ware nicht entsprechen und trotzdem mehr Umsatz denn je machen. Kein Produktmerkmal scheint mir im vergangenen Jahr so oft gefälscht worden zu sein, wie das Check Muster und klares Markenzeichen der nun massenkonformen Hofmarke des britischen Königshauses. Doch die Schafe folgen der Herde. Design soll massenkonform sein, individuelle Mode verkauft sich nicht, der Eindruck von Individualität ist viel kostengünstiger zu erschaffen und auch nicht so langlebig wie wahre Kunst.

Keiner von uns kann sich noch unbeeinflusst von der massenkulturellen Häresie am Individualismus frei entfalten. Ist dir das erst einmal klar, hast du zumindest gelegentlich die Chance, du selbst zu sein.

Tagged: AdianAntilles

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