Minimalismus – jeder spricht darüber. Puristen, Minimalisten, Kreative, sollen das alles die selben Menschen sein? Vor einer Woche habe ich für ein paar meiner liebsten Menschen gekocht und noch immer muss ich mir anhören, dass am Stehtisch in unserer Küche die Stühle fehlen und dass mein Zimmer ja eigentlich leer ist. Zum ersten Mal fällt mir auf, aus mir ist einer dieser Menschen geworden. Ich sitze an meinem leeren Tisch im schein des Laptops, vor einer weißen Wand, mein Bücherregal sind gestapelte Weinkisten, die sich langsam Richtung Decke ranken, Glas und schwarzes Holz. Das soll reichen.
Die Wiege eines kreativen Kopfes oder nur der Untergang des letzten Funken Ordnung im Eigenen. Einen Fehler hat dieses Bild oder hat schon mal jemand einen Schreibtisch gesehen, der nicht nach einem ähnlichen Schema sortiert ist, wie es auch ein Kriegsschauplatz ist. Hinter jedem Zettel, PostIt, Brief und Foto hinter jedem Schaubild und jeder Skizze steckt eine Geschichte, ein Sinn. Nur dieses Netz aus Eindrücken macht einen Ort der Kreativität aus.
Warum zur Hölle muss sich nur jedes einzelne Blatt Papier entweder exakt auf dem darunter liegendem befinden oder parallel zur Wand? Der Desktop beinhaltet nie mehr als zwei Dokumente und im Download Ordner ist ein Bild, das mich immer wieder aufmuntert, weshalb ich es nicht zu weit weg sortiere. Sonst nichts. Alles nötige ist mit einem Handgriff erreichbar und die Hand dafür liegt auf der Maus.
Ordnung, Neurose, das eigene Chaos immer im Hinterkopf. Ich muss es so handhaben. Die verrückte Welt ein klein wenig ordnen. Zu oft schwirrt etwas im Kopf herum, was nicht zu fassen ist, zu oft bootet sich die eigene Kreativität selbst aus. Wohnlicher Minimalismus. Ja, ich werd’s versuchen.
