“Ach, wir haben einen Spacko hier.” Was man sich nicht alles anhören muss. So richtig stimmt es deswegen aber auch noch nicht. Spackeria, das heißt Datenschutz kritisch sehen. Die Mitbegründerin Julia Schramm sagte im Spiegel Interview frei interpretiert, wir hätten die Kontrolle über unsere Daten verloren. Unser soziales Leben wird mit jedem Atemzug engmaschiger und findet längst schon zu einem Großteil im Internet statt. Den Aufwand zu betreiben und all unsere Daten zu schützen sei für keinen von uns noch tragbar.
Lange Zeit war ich mehr als Stolz darauf, dass ich nur schwer über die großen Suchmaschinen zu finden war und dass niemand Pseudonym und Meldenamen in Verbindung bringen kann, doch spätestens mit Anmeldung diverser Domains war das auch vorbei. Jetzt kämpfe ich mich durch Hotlines und Warteschleifen, dass zumindest nicht ganz so private Daten in whois Abfragen auffindbar sind. Zumindest unter dem Gesichtspunkt kann ich ihr zustimmen. Der Aufwand die Anonymität zu betreiben ist kaum zu vergleichen, doch steht er in einer Relation zum Ertrag?
Bewegungsprofile über Gowalla, Foursquare, Path und viele mehr. Personalisierte Suchergebnisse bei Google Anfragen. Mit Facebook unterwegs, statt mit Freunden. Wir hinterlassen eine Datenspur im Internet, die die wenigsten von uns einschätzen können. Was kann ein Konzern mit der Gesamtheit meiner Daten tun und was ist mein Datensatz wert? Aber so wissen meine Freunde immer, wo ich bin! Wie klingt personalisierte Werbung für dich? Was hältst du davon, dass für jeden öffentlich ist, was du für Gewohnheiten hast und wo du dich regelmäßig zu welcher Uhrzeit aufhältst? Nimmt man Worte wie staatliche Überwachung und gläserner Bürger in den Mund, kommen aus der gemäßigten Mittelschicht oft Worte wie “paranoid” und “Anarchist” als Antwort zurück.
Paranoid, vielleicht nicht, aber ein gesundes Misstrauen gegenüber Einrichtungen und Organisationen denen etwas daran liegt stets zu wissen, was ich tue. Beim Datenmarkt handelt es sich um eine Entwicklung, die wir Nutzer nicht mehr zu stoppen vermögen, doch müssen wir uns darüber bewusst werden, was wir der ganzen Welt preisgeben möchten und was eigentlich nur einen engen Kreis etwas angeht. Wie wäre es denn nächstes Mal einfach mit einem persönlichen Treffen?
